Identitätsverlust - Kali Bum Bum
„„Smashana Kaalika Kali Bhadrakali KapaliniGuhyakali Mahakali Kurukulla Virodhini
She who lives in the cremation grounds and frees us from darkness and death, who bears the skulls of impurity, who is the great secret of time and who confronts the forces of duality.““
Kali.
Die Schöpfung beginnt mit ihr. Und endet in ihr.
Sie ist die erste der zehn großen Mahavidyas im klassischen Tantra Yoga. Diese Göttinnen haben nichts verklärt weibliches - süß, easy, sanft. Sie sind mächtig und wirbeln, wenn du in ihren Dunstkreis kommst, dein Leben auf. Konfrontieren dich mit allem, was Leben ist. Dem Licht und den Schatten - und allen Facetten dazwischen.
Kali. Schwarz. Mit ausgestreckter Zunge. Waffen in ihrer Hand und abgeschlagene Köpfe. Es sind die Ego Gesichter unseres verzerrten Selbstbildes, die uns daran hindern, die Wahrheit zu sehen. Sehr echt. Sehr roh. Sehr real.
Wenn Kali in das Feld des eigenen Bewusstseins kommt - entweder als radikale Ereignisse, die im Außen meistens plötzlich ins Leben treten oder auch als frei gewählter Weg im Innen - dann macht es Bum. Doppelt Bum. Dreifach Bum.
BUM. BUM. BUM.
Plötzlich hören, müssen die Gedanken aufhören.
Kali durchtrennt mit ihrem Schwert den Kreislauf deines Verstandes, zerstückelt ihn. Die Illusion der eigenen Identifikationen wird zerschlagen. Jedes “ich will”, “ich bin”, “ich muss” verschwimmt in ihrem schwarzen Gesicht. Denn das ICH gibt es in ihrem Antlitz nicht.
Ihre Schwärze, ihre Leere, ihre mütterliche Kraft durchtränkt den Körper.
Sie nimmt dich ein. Und stellt dich mit allem, genau so wie du bist, in ihr Haus.
Sie fordert dich heraus. Alle deine Deals auf den Tisch zu legen.
Und genau hinzusehen, was als Wahrheit übrig bleibt, wenn alles von deinen Selbstbildern geht. Sie provoziert und bittet nicht. Sie will dir helfen in dein Empowerment zu kommen, aber nicht weil sie das Beste für dich will. Sondern, weil es die einzige Wahrheit ist, die übrig bleibt. Es ist pure Ekstase für sie, dich sterben zu sehen, während sie deine Überreste über den Schlachtplatz schleift und dabei lacht.
Der Kali Weg ist pure Zerstörung. Aus Liebe.
Es ist, dir selbst dabei zu zusehen, wie die Schmerzen deines Egos in ihrem Feuer brennen. Du kannst entscheiden, ob du dabei lachst oder weinst. Es ist süß und bitter. Befreiend, während du durch das Nadelöhr deiner eigenen Vernichtung schreitest. Es ist nicht leicht mir ihr zu sitzen. Denn alles in dir wehrt sich gegen das Sterben, das sie bringt. Und jeder noch so kleine Fluchtgedanke wird als Opfergabe auf ihren Altar gelegt. Sie leckt das Blut deiner abgetrennten Ego Anteile und tanzt orgiastisch freudvoll auf den Trümmern dessen, was von dir übrig bleibt. Falls etwas übrig bleibt.
Vor Kali kannst du dich nicht verstecken.
Nichts von dir. Nicht einmal das, was du gerne vor dir selbst versteckst. Und darin sind wir sehr gut, nicht genau hinzusehen. Ihre Schwärze durchdringt deine dunkelsten Kammern, denn sie ist so schwarz, dass sie die größten und mächtigsten Dämonen verschlingt. Dein Schatten ist ihre Mahlzeit. Und wenn du denkst, dass es nicht schwärzer werden kann, zeigt sie dir, wie tief deine Nacht ist, und wie tief es noch weiter nach unten gehen kann.
Kali ist die purste Selbstermächtigung, die ich jemals erlebt habe.
Aber nicht durch das mehr werden.
Sondern durch die absolute Auflösung.
Jegliche Schilde deines Egos müssen fallen, wenn sie vor dir steht.
Es ist mehr als Nacktheit.
Denn sie sieht durch dich durch.
Einfach so. Weil sie es kann.
Mit ihr hört all dein Opfer Dasein auf.
Sie zeigt dir, dass deine Angst vor dem Leben, die eine letzte Angst vor dem Tod ist.
Dass du nie ganz in deine Kraft kommen wirst, solange du um den Tod herum tänzelst und deinen Ängsten nicht in die Augen blickst. Mutig und bereit. Mit ausgestreckter Zunge. Und solange du nicht erkennst, dass alles Illusion ist. Sogar die Zeit, die du glaubst auf diesem Planeten zu haben.
Kali ist die erste und letzte Kraft.
Sie ist die Leere aus der wir kommen, und zu der wir zurückkehren.
Sie ist so alt, wie die Schöpfung selbst.
Und gebiert sich in jedem Moment neu.
Sie ist die Erkenntnis, dass alles jetzt ist.
Jetzt.
Jetzt.
jetzt.
Bist du da?
Ich habe Angst, Kali Maa.
Trinke das Gift deiner Angst und verwandle es in pure Energie.
Ich bin so traurig, Kali Maa.
Nimm dein inneres Kind und lass seine Schmerzen in meinem Totenkopf schmelzen. Werde endlich erwachsen!
Meine Geschichte ist so schlimm, Kali Maa.
Hahahaha - es ist doch nur eine Geschichte.
Ich mag nicht mehr, Kali Maa.
Glaubst du das wirklich?
Und dann. Dort auf dem Schlachtfeld deines eigenen Egos. Im körperlichen Vollkontakt mit Kali, durchdringt ihr schwarzer Körper dein Herz. Deine tiefsten Ängste spürbar. Im Vollkontakt. Ihre Liebe ist da, du musst sie nur zulassen.
Bist du bereit auf alles zu verzichten, was dein Ego braucht, um sich zu identifizieren? Nur für einen Moment deine Geschichten fallen zu lassen?
ALLE KRAFT DES GANZEN UNIVERSUMS IST IN DIR
UND DIE MUTTER ALLER WELTEN.
IST DEIN ZU HAUSE.
Du musst sterben, um zu werden.
Das ist Kalis Mysterium. Ihre Einweihung.
Und das ist. Nach Hause kommen.
Dieser Text ist entstanden, als ich nicht gewusst habe, wie und was ich über Kali schreiben soll. Ich hatte mir einen Zeitdruck und ein “unbedingt fertig werden” eingeredet. Und mein Schreiben kam ins Stocken. Erst als ich bereit war, mit Kali in die Praxis zu gehen und alle diese Geschichten niederzulegen, ist dieses Schreibstück so entstanden, wie du es hier lesen kannst.
Alle Waffen niederlegend. Mehr als nackt. Durchtrennt Kali die Nebel jeglicher Illusion.
Und das was bleibt, ist Einheit mit der großen Mutter.
Das ist die letzte und erste Wahrheit.